A schwere Maschiin

A schwere Maschiin

(Die Besucher aus dem Süddeutschen, insb. nachweislich Nichtpreissischen Raum mögen mir den Titel verzeihen) – ich hätte auch mit „Der Gerät“ betiteln können. Es ist da – das Sidecar. Und wie bei jedem Gespann ist das Ergebnis fast mehr Beiwagen als Antriebsfahrzeug 🙂

Wie sich das gehört, ist ein 34 Jahre altes Zubehörteil nicht so gaaaanz mängelfrei, aber dafür hat es sehr klaglos gestartet – im Gegensatz zu dem früheren Kandidaten, dessen Netzteil sich irgendwann die Karten legte und der auch sonst das eine oder andere Zipperlein in Form von Wackelkontakten und Speicherfehlern zeigte.

Auffällig bei so ziemlich allen Blechkisten aus Braunschweiger Produktion ist die eher zufällige (lies: nicht wirklich gegebene) Passgenauigkeit von Gehäuseschrauben – so sind auch hier statt der Originalen etwas dickere Blechschrauben verbaut gewesen, die aber wenigstens nicht den sonst üblichen Rostbefall und den ausgedrehten Kreuzschlitz zeigten.

Beim Start ertönte jedenfalls nach wenigen Sekunden das altvertraute „Trillerfiep“ eines guten alten Commodore-PC – und wie sich das gehört hatte der Vorbesitzer an den Jumpern rumgestellt und dafür gesorgt, dass beim Start des „PC Mono“ Fensters nur orangefarbener Zeichenschnee erschien – das Teil war auf Farbmodus gestellt. Daher auch die etwas gruselige Farbeinstellung des Fensterrahmens im Bild oben. Nichts, was man nicht ändern könnte, aber ganz schön retro… (es dürfte nicht überraschen, dass meine Standardeinstellung im monochrom-Modus seinerzeit grün auf schwarz war – auch schon deshalb, weil der 1081 Monitor einem ansonsten echt Netzhautkrätze verursachen kann – das Flimmern wird mit dem Alter nicht besser, weder beim Gerät noch für den Anwender)

Offene Baustellen Stand des heutigen Testlaufs:

  • Power-LED des Sidecar – das Kabel ist ab, und gleiches gilt für ein Beinchen der LED. Kann man evtl. noch löten, ansonsten ist ein Umbau angesagt (ich hab ja noch einen Teileträger)
  • Ausrichten der 5,25“ Floppy – diese steht wie bei den meisten Sidecars ca. 5mm zu weit nach vorn raus – kein Funktionsnachteil aber es gehört halt nicht so
  • Schließen der Slotblenden – alle drei sind offen, da war wohl mal einiges an Karten verbaut – lässt zumindest auf wenige Kontaktprobleme bei den Slots hoffen

Die Folge-OPs werden schwieriger, denn der A1000 soll noch eine ROM-Platine und eine Speichererweiterung bekommen, und in beide Geräte sollen noch IDE-Adapter mit CF-Karten rein. Beim ROM-Adapter kämpfe ich noch mit mir, ob der nicht-stilechte Kickstart 2.04 drauf soll oder ob es bei 1.3 bleibt – ersterer hätte den Charme, dass man bei Bedarf vom extern angeflanschten Gotek booten könnte. Abwarten, das Ersatzteilpaket ist noch nicht mal verschickt.

So ein bisschen ist es wie früher…

Mein rechter rechter Platz ist frei…

…scheint eine „Alte Freundin“ rufen zu wollen 🙂

Und nein, es ist nicht die Freundin aus dem vorangegangenen Beitrag, sondern A1000 Nr. 2, den ich dann doch für einen schon eher spürbaren Betrag einem anderen Enthusiasten ablösen „durfte“. Wie man sieht, hat es dort stellenweise etwas mehr gegilbt, dafür waren aber die inneren Werte insgesamt originalgetreuer und vor allem intakter als bei der Nr. 1 – alles kein Vergleich zu „meinem“ Erstlings-Amiga, der aber nunmal nicht mehr wiederzubeschaffen ist. Schnüff!

Das Ding mit dem „rechten Platz“ bedarf der Erklärung – denn obwohl ich auch davon bereits eines besitze, befindet sich gerade ein weiteres „Sidecar“ (Kenner wissen, Modell A1060) auf dem Weg hierher – erneut in besserem Zustand als das bereits vorhandene und hoffentlich ohne die lästigen Kontaktprobleme, die schon zu Zeiten, als die Dinger neu waren, so manchen User in den Wahnsinn getrieben haben sollen – zumal diese PC-Erweiterung anfangs beinahe den gleichen stolzen Preis wie der Amiga selber hatte.

Leider haben die Computer dieser Ära – die Amigas der ersten Modellreihe zumal – einige Unzulänglichkeiten. Da ist vor allem die Abhängigkeit von 3,5“-Disketten, deren Langzeit-Haltbarkeit dann doch eher ernüchternd ist. Jedenfalls habe ich mit jedem Amiga einen ordentlichen Stapel davon bekommen und selbst solche, die anfangs noch leidlich lesbar waren, verloren sehr schnell von dieser vermeintlichen Datentreue.

Das wäre alles dank einer wunderbaren Erfindung namens „Gotek“ kein Problem – wäre da nicht der Punkt, dass dieser „Floppy-Emulator“ zwar so ziemlich jedes gängige Diskettenformat emulieren und die passenden Images von einem USB-Stick lesen kann, genau das aber bei Problem Nr. 2 des Amiga 1000 nicht hilft – dem „Kickstart“. Der 1000er war nämlich der einzige Amiga, der sein Basis-System (ist es frevelhaft, von „Firmware“ zu sprechen?) von Diskette laden musste, weil die später verwendeten ROMs noch nicht in endgültiger (oder beinahe endgültiger) Fassung verfügbar waren. Und ebendieses Diskettenimage ist beim Einschalten nicht über einen Emulator ladbar sondern braucht ein echtes Diskettenlaufwerk am echten, internen Laufwerksanschluss – und eine echte, korrekt formatierte 3,5“ Kickstart-Diskette. Autsch.

Enter the Forum… Rettung naht in Form von A1k.org, einem Forum, in dem Enthusiasten sich über das Thema Amiga im Allgemeinen und den 1000er im ganz Besonderen austauschen. Dort bot mir ein freundlicher Kollege ein Kickstart-ROM-Adapter an – und auf auf dieses warte ich zur Stunde. Zusammen übrigens mit noch ein paar kleinen Nettigkeiten, die meinen Retro-Zoo komplettieren sollen.

Nein, das wird hier kein Museum (obwohl ich neben den Amigas eine recht illustre Sammlung noch voll funktionsfähiger Macs mein Eigen nenne) – es ist bloß ein wenig „back to the roots“, und die Upgraderitis gehört nunmal dazu. Es wird beizeiten berichtet.

Ach so, eine weitere Unzulänglichkeit hatte ich vergessen – und sie ist der Grund, warum auf obigem Bild bereits „Freundin Nr. 2“ zu sehen ist, denn die Nr. 1 hatte leider schon kurz nach ihrem Einzug bei mir ein kleines, und nach einem „Besuch“ bei ihrem früheren Besitzer ein größeres Problem.

Das kleine Problem ereilt vmtl. fast jeden älteren Computer mal, sofern er über die aus Kostengründen heute unvorstellbaren aber damals absolut üblichen gesockelten Bausteine verfügt: Kontaktprobleme, bedingt durch Korrosion und das unweigerlich durch Transporterschütterungen eintretende Lockern der Chips in den Fassungen. Es war der Grund dafür, dass ich die Nr. 1 quasi geschenkt bekam – sie gab nur noch ein schwarzes Bild und ein klägliches Flackern der Power-LED von sich. Nichts, was eine solide Grundreinigung und ein beherztes „Re-seating“ (Herausnehmen und wieder Einsetzen der Bausteine) nicht hätten beheben können – wenn man das Werkzeug und die Zeit dazu hat oder sich zu nehmen bereit ist.

So weit, so gut.

Dann kam der „Heimaturlaub“, und kurz darauf der eher kleinlaute Anruf des Vorbesitzers, dass es da wohl ein kleines Malheur gegeben hätte – nach ein paar Stunden Retro-Zocken hatte es dem Maschinchen gefallen, ein komplettes Wohnzimmer zu verqualmen. Ursächlich war das Netzteil, oder noch genauer ein „Funkentstörkondensator“, der, anstatt zu entstören, selbst leicht gestört war und sein Papier-Dielektrikum in viel Rauch, erhebliche Hitze und auch ein wenig Flammen aufgehen ließ. So ein kleiner Mistkerl:

Tja – antike Hardware eben. Röstaromen inbegriffen. Erstaunlicherweise brannte besagter Kondensator schneller als die direkt daneben befindliche Sicherung durchschmelzen konnte – was dann den seltenen, dicken 5W-220V-Lüfter mit in die ewigen Jagdgründe beförderte. Sicherung und Kondensator waren leicht aus dem Versender-Sortiment ersetzt – der Lüfter nicht. Es gibt ihn nicht mehr – das letzte Angebot eines funktionsfähigen „Fast-Neuteils“ aus den USA lag bei ernüchternden $94 (US – ohne Zoll und Versand) – fällt also aus wegen is‘ nich…

Ersatzweise werkelt nun vorerst ein profaner Plastiklüfter aus neuerer Produktion (immerhin auch 220V) darin – die Heckblende ist empfindlich angeschmort, der Miefquirl macht seinem Namen alle Ehre und ist zudem noch laut – und drum konnte ich nicht „nein“ sagen, als Freundin Nr. 2 anklopfte und angeschafft werden wollte. Sammlerleid – oder auch Jammern auf hohem Niveau.

Alte Freundin

Alte Freundin

Wer in den späten 80ern mit der Zeit ging, kam an ihr – nun ja, eigentlich an ihm – nicht vorbei: Dem Amiga (und hier geht’s natürlich um den Kult-Computer von Commodore und nicht um die legendären Schallplatten aus einem damals noch unerreichbar getrennten Teil Deutschlands).

Im Januar 1987 stand auch mein erster Amiga auf dem Schreibtisch – die PAL-Version des A1000, stilecht mit originalem 1081 Monitor und weniger stilecht mit einem sündhaft teuren no-name Zweitlaufwerk für wahnwitzige 2* 880kB Speicherkapazität. Unfassbar, arbeitete man doch parallel im Büro mit einem IBM XT mit 360kB Disketten – wenn auch dort immerhin mit einem 10MB „Datengrab“ in Form eines sog. „Bernoulli“-Laufwerks. Andere Geschichte – kommt noch…

Was Homecomputer bzw. ihre Besitzer schon immer hatten, ereilte natürlich auch mich – die Upgraderitis. Der Rechner konnte wohl kaum unmodifiziert bleiben. Allerdings hatte ich schon damals eine Aversion gegen kosmetische Veränderungen, und so waren jegliche Form von zusätzlichen Schaltern, Gehäusebohrungen oder auch nur -dekorationen tabu. Stattdessen war die erstrebte Erweiterung nach relativ kurzer Zeit das nicht minder legendäre A1060 „Sidecar“ – ein ungeheuer klobiges Element, das – wie der Name schon sagt – quasi als Beiwagen seitlich an den Amiga angeflanscht wurde und ihm eine gewisse Kompatibilität zu erwähntem IBM XT verlieh. Nicht ganz die Idee vom „Real Computer“ – aber so kritisch war man in dem Alter noch nicht.

Es folgte kurz darauf das erste Festplattenlaufwerk – war doch das Sidecar in der Lage, die damals noch recht revolutionären „Filecards“ (eine Kombination aus Controllerkarte und einem 3,5“-Festplattenlaufwerk auf einer Trägerplatte) aufzunehmen und – der besondere Reiz – mit dem Amiga zu „teilen“. In Anlehnung an den doppelgesichtigen Kollegen aus der römischen Mythologie lief das Ganze unter dem Namen „Janus“ und funktionierte sogar richtig gut. Mit 30MB war man König.

Mit angespannter Finanzlage hingegen war man es nicht – und somit folgte ein rückwirkend betrachtet großer Fehler: Anfang 1989 wurde das Gespann verkauft und es kam die modernisierte Variante in Form eines vollausgestatteten A2000 ins Haus. Seitdem habe ich, wie das wohl vielen Fans dieser Tage so geht, der „alten Freundin“ (Amiga = span. „Freundin“, für diejenigen, denen das noch nicht offensichtlich war) ein wenig nachgetrauert.

Vor einiger Zeit erwachte dann der Gedanke, sich ein solches Museumsstück – natürlich möglichst voll funktionsfähig – wieder hinzustellen. Nur um der alten Spielereien willen wäre das nicht nötig – jeder Raspberry Pi hat inzwischen mehr als genug „Dampf“, um einen Amiga täuschend echt zu emulieren und das sogar deutlich flotter als das Original mit einigen der damals verfügbaren Beschleunigerkarten. Selbst die entsprechende Software für moderne Schreibtischrechner gibt’s incl. ROM-Images für einen Appel und ein Ei. Aber das ist nicht dasselbe.

Nun kommt der Twist – ich wusste noch, wem ich die Anlage damals vermacht hatte – und nahm zu diesem Menschen wieder Kontakt auf. Tatsächlich meinte er, die Geräte „vor einiger Zeit noch auf dem Dachboden“ gesichtet zu haben. Hoffnung keimte auf…

…und versiegte jäh, als ein Rückruf kam und man mir sagte, dass die „alten Sachen“ wohl vor kurzem einer Aufräumaktion um Opfer gefallen waren. Entsorgt! Nach über 30 Jahren! Erschütternd!

Aber aufgeben gilt nicht – ein lieber langjähriger Arbeitskollege hatte doch tatsächlich auch noch einen A1000 recht verstaubt eingelagert und war bereit, mir diesen zu überlassen. Eine Aktion, die nicht ohne Folgen bleiben sollte. Gelegentlich wurde es sogar etwas heiß… Fortsetzung folgt 😉