Aufgewacht, die Sonne lacht!

Ja, es ist ein sonniges Pfingstwochenende, und eigentlich verbringt man dann die Zeit nicht unbedingt im Bastelkeller – aber wenn man schonmal ein altes Trumm ausgegraben hat, möchte man schon auch noch wissen, was drinsteckt – dunkle Ahnungen hatte ich ja, aber das war mir schon immer zu vage.

Also flugs ans Werk, die Netra mit Monitor, Tastatur und Maus versehen und den bereits erwähnten Smoke-Test gefahren – außer viel Lärm geschah zunächst… nichts!

Nach gefühlten 5 Minuten Bedenkzeit erwachte dann doch der Monitor, und neben einem ganzen Bildschirm voller Fehlermeldungen erschien das altvertraute PGX32 / RaptorGFX Logo – und die bereits erwartete Meldung, dass das NVRAM sich leider entschieden hatte, mangels Batterieladung auf Spontan-Alzheimer zu plädieren.

Hoch ist hier das gute alte NVRAM-HostID-FAQ zu preisen, dessen Originaltext leider nicht mehr an altbekannter Stelle aufrufbar ist – aber es gibt noch einen Mirror.

Wir schreiten also zu einer Befehlskette, die – ich geb’s ja zu – ich zuweilen sogar im Schlaf beherrschte und an streikenden Consolen auch blind eintippen konnte – die Übung ist leider verflogen, aber es ist ein wenig wie Radfahren: Man verlernt’s dann doch nie so ganz.

set-defaults

Hiermit setzen wir erst einmal alle Systemparameter wieder auf „Standard“ zurück – insofern wichtig, als die NVRAM-Demenz sonst vermutlich für einige Überraschungen gut wäre.

setenv diag-switch? false

Dieses Setting ist notwendig damit wir anschließend Unsinn mit den NVRAM Interna, namentlich der HostID und das Mac-Adresse treiben können.

f idprom@ 1 xor f mkp

Nicht immer notwendig, aber nachdem die Maschine fleißig im Dunkeln rumgewirkt hat um irgendwie in einen stabilen Zustand zu finden, könnte trotz allem das NVRAM wieder als „valid“ gesetzt sein – und hiermit wird der Inhalt wieder komplett invalidiert. Nun aber zum eigentlichen Punkt:

8 0 20 e1 e2 e3 e1e2e3 mkpl

Die Mac-Adresse der Maschine wird initialisiert, und zwar als 08:00:20:e1:e2:e3 (natürlich können e1, e2 und e3 mit beliebigen Hex-Werten belegt werden, ganz ideal wäre allerdings, sich die Nummer vom NVRAM Chip abzulesen, denn diese enthält i.d.R. die letzten drei Bytes der tatsächlichen HostID/Mac-Adresse).

Nach dem mkpl-Befehl erfolgt kein neuer Prompt – stattdessen muss man zunächst Ctrl-D und Ctrl-R betätigen – dann erfolgt hoffentlich keine (!) Copyright-Meldung, denn sollte das passieren, hat man entweder die Invalidierung des NVRAM vergessen oder sie hat nicht geklappt. Dann das Ganze nochmal von vorn.

Wenn wir fertig sind, heißt es

reset

und dann ist hoffentlich so etwas wie der folgende Bildschirm angezeigt:

Oh lustig – ich lag ein wenig falsch mit meiner Erinnerung, des sind doch „nur“ die 440-MHz-Module verbaut. Mit den 2GB RAM lag ich hingegen richtig. Mit dem Lärmpegel im übrigen auch, das Teil ist halt wirklich für den Einsatz im RZ gedacht gewesen und nicht sonderlich schreibtischfreundlich.

Wie die Boot-Meldungen erahnen lassen, war das zuletzt installierte System nicht etwa irgendeine Solaris-Version sondern Debian 7. Das lässt Schlüsse zu – die Maschine war zuletzt tatsächlich im Dezember 2015 eingeschaltet – naja immerhin.

Nach recht kurzer Zeit begrüßt mich ein Login-Prompt und zum Glück fiel mir das root-Passwort noch ein (sonst wär’s fummelig geworden, nicht, dass es unlösbar wäre, aber bevor ich mir ein antikes Debian-ISO auf CD brate wäre dann doch wohl eher eine der vielen noch vorhandenen Solaris-Versionen drangekommen). Den Rest habe ich dann durch kurze Reparatur der DHCP-Einstellungen so gedreht, dass ich mich bequem vom Schreibtisch aus per SSH anmelden kann – denn natürlich soll noch ein wenig Info aus der Netra gekitzelt werden – bevor ich ihr dann doch nochmal das eigentlich dafür vorgesehene OS antue.

Lustigerweise – oder einfach nur aus Nostalgie – hatte ich auch diesem Gerät den Hostnamen „sparks“ verliehen – das könnte spätestens ein Gedränge geben, wenn sich die Tritec-Maschine, die ja auch noch auf einen Weckruf wartet, mit gleichem Namen um eine DHCP-Adresse bewirbt. Wir werden sehen. Da dort einigermaßen sicher Solaris 9 läuft, könnte auch eine feste IP vergeben sein – bin gespannt wer dann hier auf einmal Probleme wirft.

Übrigens hatte ich für die Kellerbastelei einen kleinen Helfer – statt immer das MacBook mit runterzuschleppen wurde kurzerhand „aladin“ aus der Versenkung geholt und aktiviert. Der Name ist Programm:

Yep, es ist eine „Wunderlampe“ 😉 (Für Interessierte, 17“ iMac G4, 800MHz, 1,25GB RAM und ’ne 128er SSD mit IDE-SATA-Adapter – bisschen (aber wirklich nur ein bisschen) Overkill, mit OS X 10.5.8 aber so gerade eben benutzbar). Für die Internet-Recherche nutzt man bei sowas am besten TenFourFox – denn alle ansonsten verfügbaren Browser auf diesem etwas angestaubten System haben keine rechte Lust mehr, mit modernen Verschlüsselungsmethoden zu kooperieren. Für dieses Teil und den SSD-Umbau gibt’s nochmal einen eigenen Beitrag – nur soviel: Ich könnte noch original-Tastatur und Maus sowie die „Pro Speaker“ gebrauchen, falls jemand welche abzugeben hat…

Aber gut – „sparks“ ist gebootet, hat eine IP-Adresse und lauscht auf dem SSH-Port, also ab die Post an den Schreibtischrechner und eingeloggt – wir wollen mehr wissen. Linux ist dafür zum Glück geradezu ideal:

Ok, also wie erwartet zwei 440MHz UltraSparc II CPUs und ein OBP von Juli 1999 – sollte die Maschine doch geringfügig jünger sein als gedacht? Viel Unterschied macht das natürlich nicht.

Eckdaten zum verwendeten Prozessor finden wir hier. Leider finde ich aktuell keinen Weg, mir unter Linux die tatsächliche Größe der CPU-Caches anzeigen zu lassen – das wird dann wohl mal einen Neustart unter Solaris erfordern.

Was sich hingegen ermitteln lässt, sind die Partitionierungsdaten der beiden installierten Platten – und da ergibt sich Interessantes:

Platte Nr. 2 ist also tatsächlich Solaris-formatiert, und so besteht einiges an Chance, dass ich durch kurzes Umtauschen der Laufwerksreihenfolge ein Solaris 9 booten kann. Das ist doch mal was – aber nicht für sofort. Zunächst steht noch ein kleiner Test auf dem Programm – habe ich doch beruflich in der letzten Zeit so einige Tests mit sysbench gefahren. Es reizt natürlich massiv, das auch mal auf dieser schon etwas älteren Hardware durchzuspielen. Vergleichswerte von modernen Rechnern (auch vServern) mit drehenden Platten und SSDs habe ich, umso gespannter bin ich, wie sich das Altmetall schlägt.

Fertige Sparc-Linux-Builds gibt’s natürlich nicht, da ist also Handarbeit angesagt – und diese folgt beim nächsten Mal…

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